Klasse 4cG, Kantonsschule Rychenberg
Samstag und Sonntag, 14. und 15.09.24
Wir sind mit dem Nachtzug nach Budapest gefahren. Oder sollten es zumindest, denn um 04:06 Uhr, als der Zug offenbar schon eine Zeit lang in Salzburg stand, gab es eine Durchsage: «Die Weiterfahrt des Zuges Richtung Wien ist aufgrund des Unwetters und der schweren Überschwemmungen entlang der Strecke nicht möglich. Dieser Nachtzug wird hier in Salzburg aufgelöst!» Nach dieser Durchsage sind jedoch nur die wenigsten aufgewacht und die Zugbegleiter*innen mussten uns mit viel Türklopfen aus den Liegeabteilen holen. Nachdem sich die gesamte Klasse noch verschlafen vor dem Nachtzug versammelt hatte, machten wir uns auf den Weg zum alternativen Zug, der jedoch erst eine Stunde später abfuhr. Unser erstes Ziel war es, irgendwie nach Wien zu kommen, glücklicherweise kann man mit diesem Zug ohne Umsteigen nach Wien fahren. Spoiler: So einfach war es nicht. Der Zug war vollgestopft mit allen Leuten, die aus dem Nachtzug kamen und noch regulären Fahrgästen. Deswegen durften wir uns in die erste Klasse setzen. Einige versuchten erneut zu schlafen, andere hatten dies bereits aufgegeben. Nachdem es sich alle gemütlich gemacht hatten, war die Hoffnung gross, in Budapest mit zwei Stunden Verspätung anzukommen, aber die nächste Enttäuschung wartete schon auf uns. Denn nach nur kurzer Zeit gab es eine Durchsage im Zug: «In St. Valentin können wir aufgrund der Überschwemmungen nicht weiterfahren.»
Wieder stiegen wir aus und glücklicherweise hiess es, dass für den Zug Ersatzbusse fahren werden. Wir verliessen den Bahnhof und fanden vor dem Bahnhof für den gesamten Zug, der mit ca. 500 bis 700 Menschen gefüllt war, zwei Reisecars. Erfolglos drängten wir uns durch die Leute und versuchten unser Gepäck zu verstauen, nur um herauszufinden, dass der Car schon überfüllt war zum Zeitpunkt. In Windeseile mussten wir unsere Koffer aus dem Car reissen, bevor dieser abfuhr. Nachdem wir fast vierzig Minuten gewartet hatten, fuhren weitere Busse vor und ein Teil unserer Klasse übergab die Koffer an ihre Kollegen und stürmten in einen der Busse. Die Koffer und der Rest der Klasse passten nicht mehr in den Bus und ein Teil der Klasse fuhr ohne ihre Koffer weg. Der andere Teil musste erneut warten und drängte sich nach fünf bis zehn Minuten in einen neuen Bus und schaffte es diesmal alle Koffer zu verstauen. Nachdem der Busfahrer bemerkte, dass die Ausfahrt, die er nehmen wollte, gesperrt war, mussten wir umkehren. Zum Glück kamen wir aber nach einer knappen halben Stunde bei heftigem Regen in Amstetten an. Dort mussten wir erneut warten und stiegen endlich in einen warmen, trockenen Zug ein, der Wien dann auch wirklich erreichte. In Wien stiegen wir in einen alten, ungarischen Zug ein, der direkt nach Budapest fuhr und das Ziel sogar erreichte. Dort angekommen, wurden wir komplett erschöpft von unseren Gastfamilien abgeholt und nach Hause gebracht. Für die meisten ging es dann mit Essen und Kennenlernen weiter, das Programm war allerdings individuell. Was jedoch alle gleichermassen taten, war schlafen, und zwar viel, denn die Zugfahrt war sehr anstrengend.
Montag, 16.09.24
Unsere Woche startete mit einem Besuch in der ungarischen Schule. Auf den ersten Blick wirkte die Schule sehr imposant und historisch auf uns. Wir wurden direkt herzlich vom Direktor empfangen. Darauf folgte ein spannender Vortrag über die ungarische Geschichte, gehalten von zwei ehemaligen Schülern, welche sehr gut Deutsch sprachen. Anschliessend war es Zeit, die Schule genauer zu entdecken. Die ungarischen Schüler führten uns durch das Gebäude und erklärten uns ausführlich auf Deutsch den Aufbau der Schule. Wir sahen verschiedene normale Schulzimmer, sowie das Chemie Labor, als auch die Sportplätze und die Mensa. Auch die Klassenzimmer waren, genauso wie die Aussenseite des Gebäudes, eher altmodisch und auch die Ausstattung war nicht besonders modern. Die Lehrer hatten Musikboxen dabei, anstelle von eingebauten Lautsprechern, und auch Beamer gab es nicht in jedem Raum. Anschliessend an die Führung haben wir einen Stadtbummel gemacht und fuhren mit zwei Hop-on-Hop-off-Bussen durch die Stadt. Wir sahen viele wichtige Gebäude, obwohl das Wetter nicht sehr angenehm war. Es regnete viel, doch wir hatten trotzdem Spass. Nach der Fahrt führten uns unsere ungarischen Austauschpartner noch in einem kleinen Rahmen in der Stadt umher. Als das Schulprogramm beendet war, gingen wir alle gemeinsam bowlen, wobei wir uns ein wenig besser kennenlernten. Danach assen wir zusammen ungarischen Chimney Cake und waren begeistert von der leckeren Speise für den günstigen Preis. Dabei lernten wir auf Ungarisch zu bestellen. Dieser erste Tag war ein geglückter Start in die Woche und wir freuten uns schon auf die folgenden Programme.
Dienstag, 17.09.24
Wir trafen uns in einem Klassenzimmer, wo uns drei der Schülerinnen eine aufschlussreiche Lektion über die Ungarische Sprache hielten. Am Schluss konnten die meisten von uns schon zwei Wörter sagen. Nach der Lektion gingen wir zusammen mit den Lehrkräften und zwei Schülern mit der U-Bahn nach Pest. Unser Ausflug führte uns zunächst zum Parlamentsgebäude, wo uns einer der Schüler einige Dinge darüber erzählte. Danach beobachteten wir, wie vor dem Parlament ein paar Soldaten mit Trommeln, und Pferden einen Marsch durchführten. Anschliessend begaben wir uns ins Parlamentsgebäude, wo wir, wie am Flughafen, untersucht wurden. Im Inneren war das Gebäude mit viel Gold und Gemälden verziert. Der Höhepunkt war aber die Krone des ersten Königs, und der Parlamentssaal, der aber leider nicht von den Politikern benutzt wird. Nach dem Besuch im Parlament führten wir unseren Ausflug durch Pest fort. Auf dem Weg begegneten wir noch ein paar interessanten kleinen Skulpturen, zu welchen uns eine Schülerin noch etwas erzählte. Später erreichten wir dann die Basilika, vor welcher wir noch ein neues Klassenfoto machten.
Nach der Basilika ging es für uns weiter zum Haus des Terrors, dort konnten wir noch eine kleine Pause machen und uns langsam, aber sicher auf den bevorstehenden Guide vorbereiten. Während der sehr detaillierten und spannenden Führung durch das Museum, wurde uns die Geschichte des Gebäudes nähergebracht. Wir lernten, dass das Gebäude während des zweiten Weltkriegs von der Pfeilkreuz-Partei und später dann vom kommunistischen Staatsicherheitsdienst als Foltergefängnis genutzt wurde. Mit einer etwas bedrückten Stimmung und etwas Hunger, machten wir uns auf den Weg zurück ins Toldy Ferenc Gimnázium, um dort in der Schulmensa zu speisen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen konnten wir die Stadt auf eigene Faust erkunden.
Die einen erkundeten die sportlichen Seiten der Stadt, wie z.B. die Fussballplätze und die Boulderhallen, während andere ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Erholung in der Therme setzten.
Und so endete dann auch der zweite sehr spannender Tag unseres Austausches in Budapest.
Mittwoch, 18.09.24
Wir trafen uns am Mittwoch morgen am Batthyány tér (ein Platz in der Nähe der Schule). Dort erwartete uns das Hochwasser der Donau. Sandsäcke wurden bereitgestellt und um die Metrostation gelegt. Ein von der Schule gebuchter Car wartete bereits auf uns. Ursprünglich war geplant, dass wir die Burg Visegrád besuchten, jedoch war auch dies aufgrund des Hochwassers der Donau nicht möglich. Stattdessen fuhren wir auf den Parkplatz des Freilichtmuseums Skanzen. Es waren Häuser der Dörfer Ungarns von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfe des 20. Jahrhunderts ausgestellt. Wir liefen ein bisschen umher und dann zeigte uns ein netter Mann die verschiedenen Häuser und wie sie gebaut wurden. Danach konnten wir selbst ein Häuschen bauen, was erstaunlicherweise ganz gut funktioniert hat. Wir spazierten noch ein bisschen im Dörflein herum, bis wir dann in eine alte Lokomotive stiegen. Mit ihr fuhren wir dann wieder zum Eingang und stiegen in den Car. Vom Freilichtmuseum Skanzen fuhren wir mit dem Car weiter nach Szentendre, eine kleine Stadt an einem Seitenarm der Donau. Sie gehört zu einem der beliebtesten Touristenziele Ungarns und liegt etwa 20km nordwestlich von Budapest. Die Stadt wurde im barocken Stil gebaut und war während einiger Zeit von vielen Serben bewohnt. Deshalb findet man dort auch einige serbischen Spuren wie beispielsweise die serbisch-orthodoxe Kirche. Zum Mittagessen konnten dann endlich eine der vielen Spezialitäten Ungarns probieren: Langós. Die meistenprobierten sie mit Mozzarella und Crème Fraîche und bestellten anschliessend nochmals eine Portion, die Langós fanden grossen Anklang bei allen. Das sind frittierte Fladen mit verschiedenen Toppings. Nach dem Essen spazierten wir im Städtlein herum und kauften ein paar Souvenirs. Danach sassen wir am Donau-Ufer und waren sehr überrascht, wie hoch das Wasser war. Um ungefähr 18.00 Uhr liefen wir zurück zum Car und fuhren wieder nach Budapest. Der Tag endete damit, dass wir wieder zu unseren Gastfamilien zurückkehrten.
Donnerstag, 19.09.24
Am Donnerstagmorgen kamen viele von uns, aufgrund des Hochwassers der Donau, zu spät, da sie einen anderen Schulweg nehmen mussten. Wir besuchten den Englischunterricht der ungarischen Siebtklässler und waren überrascht über ihr hohes Sprachniveau. Anschliessend machten wir uns auf den Weg zur U-Bahn, die uns zum Karl-Lutz-Denkmal führte. Der Schweizer hatte während des Holocausts zehntausende Juden vor der Deportation gerettet. Auf dem Weg zur Synagoge, die wir als nächsten besuchen wollten, gingen wir durch das ehemalige jüdische Ghetto von Budapest. Bei der Synagoge angekommen, teilten wir uns in kleinere Gruppen auf, um Mittag zu essen. Satt und zufrieden trafen wir uns wieder vor der Synagoge. Dort mussten wir, was unsere Kleidung anbelangte, erfinderisch werden, da man nicht mit unbedeckten Knien hineindurfte. Ein netter Mann führte uns über das Gelände der Synagoge und erzählte uns die Geschichte des unterdrückten jüdischen Volks in Ungarn. Als wir die Synagoge betraten, mussten die Jungs eine Papier-Kippa anziehen, welche Gläubige immer daran erinnern soll, dass Gott über ihnen ist. Wir erfuhren, dass innerhalb von vier Monaten 700’000 von ihnen nach Auschwitz deportiert wurden. Das Innere der Synagoge glich einer christlichen Kirche, was untypisch für Synagogen ist. So stand der Altar vorne, nicht in der Mitte, und an den Seitenwänden waren zwei Kanzeln. Zurück im Toldy-Gymnasium stiegen wir auf den Turm der Schule, welcher uns eine eindrückliche Sicht über Budapest bot. Da die ungarischen Schüler meistens Volleyball spielen, taten wir dies auch. Im Anschluss durften wir auf dem Fussballplatz das vorbereitete Picknick essen. Jeder Ungare und jede Ungarin brachte etwas typisches Salziges oder etwas Süsses mit. Nach einer 20-minütigen Tramfahrt kamen wir am Gellért-Berg an. Zusammen spazierten wir den Berg hoch bis zum ersten Aussichtspunkt. Von dort aus hatten wir einen wunderschönen Blick auf Budapest mit der Donau. Wir teilten uns auf, um weitere Aussichtspunkte zu sehen und gingen gegen 10 Uhr alle nach Hause.
Freitag, 20.09.24
Der letzte Tag begann wie der vorherige, mit einem Stundenbesuch. Herrn Hämmerle stand die Vorfreude ins Gesicht geschrieben, denn es wurde eine Mathematik Lektion besucht. Die andere Halbklasse durfte eine ebenfalls spannende Theaterlektion besuchen. Nach diesen neuen Eindrücken ging es los in Richtung Felsenkrankenhaus. Dort erwartete uns eine eindrückliche Führung, die mit uns eine kleine Zeitreise anstellte und zurück ins 20. Jahrhundert mitnahm. Wir durften hautnah sehen, wie ein Felsenkrankenhaus funktionierte und wie fortschrittlich man damals schon war. Nach den spannenden Eindrücken im Felsenkrankenhaus konnten wir bei einem selbständigen Spaziergang das Burgviertel besuchen. Auch wurde uns die Krönungskirche gezeigt, wo wir viel lernten. In der Freizeit gingen manche in den Park, um die schöne Woche gut ausklingen zu lassen. Wir gingen Souvenirs shoppen, um uns ein Andenken zu holen. Danach ging jeder nach Hause, um zu packen. Spät am Abend trafen wir uns am Bahnhof für die Verabschiedung. Wir erlebten eine großartige Woche in Ungarn und waren entsprechend traurig, dass wir schon gehen mussten. Doch mit dem Gedanken an den Frühling, wenn wir einen Gegenbesuch erhalten, hatten wir schon einen Grund zur Vorfreude. Nach dem Abschied von unseren Gastfamilien stiegen wir in den Nachtzug ein. Wir genossen eine gute Zugfahrt mit ungefähr vier Stunden Verspätung. Auf Anfrage beim Zugchef, konnte der Nachtzug einen ausserordentlichen Halt in Winterthur einlegen, damit wir nicht von Zürich zurückfahren mussten.

