Einakter nach David Ives
Mit der Inszenierung «ZeitenWechsel» präsentierte das Theater Büelrain im Dezember 2025 unter der Leitung von Martina Albertini und Dave Hefti eine vielschichtige, tiefgründige und zugleich spielerische Aufführung. Gespielt wurden sieben ausgewählte Einakter des amerikanischen Dramatikers David Ives, die sich der Frage widmen: Was wäre wenn …? Die kurzen Stücke wurden durch Zwischenspiele miteinander verbunden. Zu Musik von Philip Glass und Steve Reich entstanden Schattenbilder, tänzerische Choreografien: eindrückliche und emotionale Bilder, die das Publikum berührten. – Annika Bäni, Ladina Nil, Izabella Sárkány, Lorenzo Del Grosso (Mitglieder Theater Büelrain)
Zentrale Themen der Einakter sind Zeit, Zufall, Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen. In den einzelnen Stücken werden sie auf unterschiedliche Weise aufgegriffen und jeweils auf eigene, facettenreiche Art vermittelt:
In „Klar doch“ wird ein erstes Date mit jedem möglichen Ausgang gezeigt. Sobald ein Wort fällt, das das Treffen beenden könnte, wird eine neue Möglichkeit durchgespielt, als liesse sich das Leben beliebig wiederholen und mit kleinen sprachlichen Korrekturen perfektionieren.
„Enigma Variations“ erzählt immer wieder dieselbe Situation zwischen einer Ärztin und ihrer Patientin. Diese leidet, weil sie merkt, wie die Wahrnehmung und die Realität auseinanderklaffen. Während in anderen Szenen Lebensentwürfe hintereinander durchgespielt werden, erlebt die Patientin in diesem Stück die möglichen Variationen gleichzeitig, doppelt und vierfach. Schliesslich beginnen sich die Rollen zu verschieben, Perspektiven wechseln: Die Ärztin wird zur Patientin und umgekehrt. Und plötzlich ist tatsächlich nichts mehr eindeutig.
„Seven Menus“ zeigt Menschen, die immer wieder am selben Ort zusammentreffen, immer in unterschiedlichen, teilweise überkreuzten Partnerschaften. Die Szene macht auf eindrückliche Weise sichtbar, wie zufällig Beziehungen entstehen, sich verändern und auseinandergehen.
„Einfach Deutsch“ führt dem Publikum mit viel Humor vor Augen, welchen Einfluss Sprache auf unsere Beziehungen hat und wie Gespräche auf unterschiedlichen Ebenen geführt werden können.
„Universelle Sprache“ greift ebenfalls das Thema der Kommunikation auf, und zwar in einer erfundenen Sprache, die die Schauspieler*innen für diese Szene lernen mussten. Das Stück zeigt, wie Worte, Bedeutungen und Verständigung über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg Menschen miteinander verbinden können.
„Worte, Worte, Worte“ stellt auf philosophische und zugleich witzige Weise die Frage nach Sinn und Zufall. Vier Schimpansen sind mit Schreibmaschinen eingesperrt und produzieren scheinbar zufällig grosse Literatur. Mit ihrem tierischen Spiel und ihren unerwarteten äffischen Ausbrüchen sorgten die Darsteller:innen für viele Lacher im Publikum.
„Philip Glass kauft ein Laib Brot“ bildete schliesslich den krönenden Abschluss der Aufführung, indem alle Schauspieler:innen ein letztes Mal gemeinsam auf der Bühne standen. In der Szene wird eine alltägliche Begegnung beim Bäcker zu einem musikalisch-lyrischen Sprechgesang.
Für uns Schauspieler*innen stellte diese Inszenierung eine besondere Herausforderung dar. Die Texte von David Ives sind sprachlich hochpräzise und verlangen ein exaktes Timing, schnelle Rollenwechsel sowie ein feines Gespür für Rhythmus und Pointe. Oft mussten wir innerhalb kürzester Zeit zwischen unterschiedlichen Figuren, Emotionen und Realitätsebenen wechseln.
Die Proben waren intensiv, und die Grösse unserer Theatergruppe, 21 Schauspieler*innen und 4 Techniker*innen, stellte uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Geduld, Offenheit und die Leidenschaft fürs Theater waren unverzichtbare Eigenschaften, die uns durch die vielen Probetage begleiteten. Wir arbeiteten an Sprache, Tempo und Körperlichkeit, um die oft abstrakten Ideen sinnlich erfahrbar zu machen. Dabei wurde deutlich, wie sehr diese Inszenierung vom Zusammenspiel des Ensembles lebte. Zudem stärkte die gemeinsame Probenarbeit über mehrere Wochen unseren Zusammenhalt und vertiefte bestehende Freundschaften innerhalb der Theatertruppe.
Neben der Leichtigkeit und dem Humor vermittelte «ZeitenWechsel» auch eine nachdenkliche Botschaft. Die Aufführung lud dazu ein, über eigene Entscheidungen, verpasste Chancen und mögliche andere Wege im Leben nachzudenken.
Ein solches Theater wäre ohne das Engagement und die Fachkenntnisse unserer Theaterleitung, Martina Albertini und Dave Hefti, nicht möglich gewesen. Jahr für Jahr geben sie uns die Möglichkeit, unsere Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sie auf der Bühne zu präsentieren. Dafür danken wir ihnen von Herzen. Die Erinnerungen an «ZeitenWechsel» werden uns und hoffentlich auch das Publikum noch lange begleiten.

